Die Jagd nach dem Inkaschatz

Die Jagd nach dem Inkaschatz

Als der polnische Politiker Benesz nach seinem mysteriösen Tod eine antike Adoptionsurkunde mit Verbindungen zu den mächtigen Inkas des alten Perus hinterlässt, ahnt niemand, dass damit die Jagd nach ihren unvorstellbaren Schätzen eröffnet wird, auch nicht der Reiseschriftsteller Roger Peters, der guter Dinge ein Kreuzfahrtschiff mit dem Ziel Südamerika betritt. Er versucht das Rätsel um die alte Urkunde zu lösen und gerät dabei immer tiefer in die Machenschaften einer Bande von skrupellosen Grabräubern und ihrer Hintermänner. Dabei ist nicht jeder, der vorgibt ein Freund zu sein, auch tatsächlich einer.

Die Jagd nach dem Inkaschatz ist ein spannender Abenteuerroman, mit gut recherchiertem geschichtlichen Hintergrund, der nicht nur jungen Erwachsenen Spaß machen wird.

Die Geschichte spielt an authentischen Grabungsstätten in Peru.

ISBN: 978-3-941257-22-1        241 Seiten                    erschienen im Friedrich Maerker Verlag

http://www.latizon.de/Literaturtipp_Inkaschatz.html


Peru, 16. Jahrhundert. Francisco Pizzarro und seine spanischen Krieger besiegen den Inkaherrscher Atahualpa, erobern das zerstrittene und vor dem Zerfall stehende große Inkareich. Sie plündern und rauben: Gold, Schmuck, Juwelen, das ist die Begierde der Europäer, die dank ihrer überlegenen Waffen unaufhaltsam scheinen...
So beginnt der Abenteuerroman "Die Jagd nach dem Inkaschatz" von Peter Splitt, neu erschienen im Friedrich-Märker-Verlag. Doch bildet das Szenario, welches der Autor gleich zu Beginn ausführlich schildert, lediglich den historischen Rahmen, als reale Vorlage für die Geschichte rund um seinen Helden Roger Peters. Peters ist Reiseschriftsteller in der Gegenwart. Er erfährt durch Zufall von einem riesigen, sagenhaften Goldschatz aus der Inkazeit und heftet sich sogleich an die Fersen einiger zwielichtiger Gestalten, die versuchen, sich des Goldschatzes zu bemächtigen. Damit beginnt ein fesselndes Abenteuer durch Peru, auf den Spuren der alten Inka- Kultur, zwischen der Moderne und der Tradition eines Landes, das einst eines der mächtigsten Weltreiche gewesen ist.
"Die Jagd nach dem Inkaschatz" ist ein absolut spannender Abenteuerroman mit einem smarten und schlauen Helden, zwischen kriminellen Machenschaften und vor einem mysteriösen geschichtlichen Hintergrund. In "Die Jagd nach dem Inkaschatz" vermischt der Autor auf gekonnte Weise reale, geschichtliche Informationen mit einem frei erfundenen Plot - eine ideale Mischung, um gerade auch für jugendliche Leser auf unterhaltsame Art und Weise vergangene Zeiten der Weltgeschichte wieder lebendig zu machen. Das Buch kann beim Friedrich-Märker-Verlag bestellt werden: www.friedrich-maerker-verlag.de

 

             Leseprobe

Wie viele Ruinen in den Andengebieten war Kuntur Wasi nichts Großartiges und absolut nicht vergleichbar mit der riesigen Ruinenanlage von Machu Picchu. Ein quadratischer zeremonieller Platz mit einer Seitenlänge von etwa achtzig Metern, das war alles. Die ehemaligen Gebäude waren nicht mehr intakt. Von der einstigen Pyramide welche ich auf dem Ölbild erkannt hatte waren nur noch wenige Grundmauern und einige Steinblöcke vorhanden. Ohne das Ölbild hätten wir niemals von der Existenz einer Pyramide an diesem Ort gewusst. Die meisten der einstmals freistehenden Stelen waren eigens ins Museum von Lima geschafft und die wenigen verbliebenen nun mit Maschendrahtzaun eingefasst worden.
Abgelenkt schaute ich nach Westen in einen frühen Abendhimmel dessen Farbe gerade von hellblau zu einem satten, rotgestreiften Gelb wechselte. Die verbliebenen Stelen warfen lange Schatten und waren scheinbar willkürlich an den Seiten des mit Gras bewachsenen Platzes verteilt worden. Die kleinen, sanften Hügel entlang der südlichen Grenze des Platzes dürften früher ebenfalls irgendwelche Gebäude gewesen sein. Doch schon vor langer Zeit hatte die Witterung sie zerstört und verschlungen. Oberflächlich betrachtet waren sie nichts mehr als ungleichmäßige Anhäufungen aus Dreck und Schutt, bedeckt mit Erde und wild wucherndem Unkraut und Gebüsch.
Niemand würde auch nur Vermutungen darüber anstellen können, was sie einmal gewesen waren, bis sie dann vielleicht irgendwann einmal frei geräumt und ausgegraben sein würden. Unmittelbar hinter dem quadratischen Platz schob sich von allen Seiten ein buschig-welliges Dickicht endlos und undurchdringlich hervor. Der dazugehörige Inkatrail war heruntergekommen, eingebrochen und vom Zahn der Zeit sowie den vielen Wurzeln aufgerissen worden.
Früher einmal war er ein Teil des komplexen Streckensystems der Inkas gewesen und hatte wichtige Zentren miteinander verbunden. Es verlief praktisch schnurgerade durchs Dickicht, über zwanzig Kilometer über Santa Apollonia und weiter bis nach Cajamarca. Kuntur Wasi musste ebenfalls untertunnelt sein und mit Sicherheit gab es eine unterirdische Verbindung welche direkt in die Stadt führte.
Unsere kleine Gruppe, bestehend aus Liliana, Luis, Freddy und mir, suchten wir die Umgebung nach einem eventuellen Einstieg ab. Bisher jedoch vergebens.
„Kommt einmal hierher“, rief ich nach einigem Suchen meinen Begleitern zu, während ich noch in den Resten der alten Pyramide herumstocherte. Unter der losen Erdoberfläche war ich auf Steinplatten gestoßen, die Treppenstufen glichen. Mit vereinten Kräften halfen mir meine Freunde, Schutt und Geröll beiseite zu räumen. Dann sollte sich meine Vermutung bestätigen. Nach etwa zwei Stunden legten wir mehrere Treppenstufen frei. Es war der Eingang zu einem weiteren unterirdischen Gang, der einst unterhalb der Plattform der steinernen Pyramide gelegen hatte. Je weiter wir die Stufen ausgruben, desto leichter ging uns die Arbeit von der Hand. Und wirklich! Die Mischung aus Erde, Schutt und Geröll war noch nicht sehr fest und hatte erst kurze Zeit hier gelegen. Dieser Eingang war nachträglich zugeschüttet worden. Unser Verdacht bestätigte sich sofort als wir dann den eigentlichen Eingang freilegten und auf eine Eisenplatte mit plumper Konstruktion aus Metallstäben stießen. Das Ganze wurde durch ein wuchtiges Vorhängeschloss zusammengehalten. Wahrscheinlich hatte die Regierung den Eingang verschlossen. Luis ergriff das Vorhängeschloss. Es war offen. Nein, nicht nur offen, sondern einfach durchgesägt!   
„Wahrscheinlich Plünderer“, vermutete Liliana laut.
„Lass uns hineingehen“, schlug Freddy vor.
Also wuchteten wir die Eisenplatte zur Seite und fanden in dem Eingang ein Wirrwarr aus Steinen und Erde vor. Ein schmutziger Spaten lag vor uns auf dem Boden und an der Seite lehnte eine Spitzhacke an der Felswand.
„Hier sind allerdings Plünderer am Werk gewesen“, meinte Luis der die hinterlassenen Grabungsgegenstände genauer untersuchte. „Sind allerdings nicht weiter voran gekommen als wir auch und haben nur ein paar Treppenstufen freigelegt.“
„Wonach mögen sie nur gesucht haben?“ Liliana richtete ihre Frage ebenso an sich selbst wie an uns alle. Ich ließ den Strahl meiner Taschenlampe in den einst verschlossenen Gang hinein gleiten. Hier und da wucherten ein paar blasse, graue, erschreckt aussehende Pflanzen, in Ritzen und Spalten, ganz im Inneren des Tunnels ohne Licht.
„In jedem Fall haben sie aufgegeben, ohne ihr Ziel erreicht zu haben.“ Liliana deutete auf die Werkzeuge. „Ob sie wohl gestört worden sind?“
„Klingt irgendwie logisch, oder?“ erwiderte Freddy. Allerdings nicht für Luis. Bei der Untersuchung des Spatens hatte er festgestellt, dass die Erdklumpen keine Pilze oder schimmeligen Befall aufwiesen. Daher war es sehr unwahrscheinlich, dass der Spaten bereits längere Zeit ungenutzt in dem dunklen Eingang herumlag. Selbst die Erd, -und Geröllhaufen sahen frisch aus. Daher mussten die Arbeiten hier vor kurzer Zeit begonnen und nicht aufgehört haben. Alles deutete darauf hin, dass die Ausgrabungen noch voll im Gange waren. Es war also jemandem gelungen, die gleichen Schlussfolgerungen zu ziehen, wie wir selbst. Vielleicht haben sie nachts gearbeitet wenn niemand in der Nähe war. Insgesamt war Kuntur Wasi nicht besonders gesichert.
„Aber wo sind dann ihre Lampen, fragte Liliana.
„Wenn sie schon ihre Werkzeuge zurückgelassen haben warum dann nicht auch ihre Lampen?“
„Natürlich weil sie diese gebraucht haben, um dorthin zurückzukehren wohin sie in aller Eile verschwunden sind.“ Luis und ich beantworteten ihre Frage fast gleichzeitig. Freddy meinte: „Wenn das alles ist, was sie an Werkzeugen dabei hatten, dann dürften sie etwa zehn bis zwölf Stunden hier gegraben haben.“
„Das bedeutet bei zwei Personen höchstens zwei Nächte Arbeit“, kalkulierte Luis und fügte sogleich an: „Sicherlich ist die Aussicht auf einen Schatz, der mehrere Millionen Dollar wert ist durchaus ein paar Nächte verlorenen Schlafes wert. Was also mochte die Plünderer so erschreckt haben, dass sie alles stehen und liegen ließen und sogar den Eingang wieder zuschütteten?“
Luis und ich drangen unter dem Lichtstrahl unserer Taschenlampen etwa drei Meter in den dunklen Gang hinein. Auf der rechten Seite bemerkten wir eine Nische, die Luis näher ausleuchtete. Wir erschraken aufs heftigste! Vor uns saß ein zerfallenes Skelett mit weit aufgerissenem Mund. Es sah so aus, als würde es lachen. Der lachende Tod!
Im Schein der Taschenlampe konnte ich die graue Farbe der Knochen erkennen. Dieses Skelett lag schon mehrere hundert Jahre hier. Von der Decke des Ganges hingen schwammige, graue Pflanzen herab. Dort, wo man es überhaupt sehen konnte wucherte grünes Moos aus dem Steinfelsen sowie Stämme und Wurzeln von Kletterpflanzensprossen aus der dicken Erdschicht. Das Skelett war eindeutig länger hier als diese Pflanzen. Einige der knorrigen Wurzeln rankten durch die Knochen. Wurmartige Ranken krochen aus den Nasen und Augenhöhlen. Viele Knochen waren mit der Zeit zersplittert und hatten das Skelett als groteske Verzerrung verunstaltet. Ein scheußlicher Anblick, der die Plünderer in die Flucht geschlagen haben mochte. Das Skelett war nicht bestattet worden. Es schien eine Art Mahnwache zu halten.
Unterhalb des Gerippes lagen vereinzelte Perlen und Muscheln. Die Kleidung war schon vor langer Zeit vermodert. Luis und ich kehrten zu den anderen beiden zurück. Besonders Liliana wollten wir den Anblick des Skeletts ersparen, erwähnten aber wie Selbstverständlich unseren grausigen Fund. Ein lachendes Skelett! Das passte irgendwie gut zu den Warnungen der Inkas, die wir irgendwie aus dem Quipu herausgelesen hatten. Von wegen Störung der heiligen Ruhe, und so weiter. Oder sollten diese Warnungen nur neugierige Besucher vom weiteren Eindringen in ihre Geheimnisse abhalten?
„Wenn wir bloß herausbekommen könnten wohin dieser Gang führt“, sagte Luis und flüsterte mir danach zu:  „Eventuell können wir uns später, bewaffnet mit einem Sauerstoffgerät, ausreichender Beleuchtung, Kreide und Kordel weiter in den Gang hinein wagen, oder was denkst du?“ Gut das Liliana nichts davon mitbekam. Sie war immer sehr besorgt, was unsere Unternehmungen anging.
Wir verzichteten darauf den Eingang wieder zuzuschütten, schoben nur die Eisenplatte an ihre ursprüngliche Stelle und kehrten nach Cajamarca zurück. Genau dort wurden wir bereits sehnsüchtig erwartet, ein Umstand den wir zunächst gar nicht bemerkten.


Luis brannte darauf, uns die Neuigkeiten zu erzählen, als er die Fotos der vergangenen Tage entwickelt hatte.
„Ewige Dunkelheit demjenigen, der den Frieden unserer Gebeine und den Staub auf unseren Körpern stört“, lautete in etwa die Übersetzung der Quechua-Wörter auf dem Torbogen, den er in der Höhle entdeckt hatte. Er hatte die Fotos absichtlich extrem vergrößert und Don Alfonso erkannte die Bedeutung sofort. Auf dieser unterirdischen Höhle lag ein Fluch. „Das hat uns gerade noch gefehlt“, meinte Freddy, dem nichts Gutes schwante.
„Genau wie bei dem Skelett in Kuntur Wasi.“ Waren das Wächter für die Ewigkeit?
„Cuevas de Maldiciones – Die verfluchten Höhlen“, sagte Don Alfonso und bestätigte im Wesentlichen unsere düsten Vorahnungen.
„Davon hab ich doch gerade in einem Buch der Spanier gelesen. Auf der Suche nach Gold und Silber, hieß es, seien sie in ein nicht näher beschriebenes Höhlensystem eingedrungen. Dabei verloren etliche Männer ihr Leben und diejenigen, die überlebten, redeten wirres Zeug. Sie sprachen von unterirdischen Monstern, Todesfallen und von vielen weiteren Scheußlichkeiten. Bei dem, was wir bisher erlebt hatten, konnte ich mir das Alles lebhaft ausmalen. Trotzdem kehrten wir am nächsten Tag nach Kuntur Wasi zurück. Hier bedrohte dichte, grüne Vegetation den zeremoniellen Platz von allen Seiten. Die tausend Jahre alten Steine, den zerfallenen Tempel. Als wir die Überreste der Pyramide erreichten, bemerkte ich, wie Luis zögerte, bevor er den Eingang betrat. Ein seltsames Gefühl schien ihn zu beschleichen, ganz so, als würde er sich in der Zeit zurückbewegen, auch wenn wir alles genauso vorfanden, wie wir es zurückgelassen hatten. Die Luft war stickig und voller Staubpartikel. Ich spürte bereits, wie sich auf meiner Zunge ein Belag bildete. Das schwefelgelbe Licht der tragbaren Lampen verursachte tanzende Schatten auf den Wänden und der Decke. Und erst die muffigen Gerüche nach Alter, Schimmel und Schweiß begleiteten uns vor dem Eintritt in den Tunnel.
Das Skelett befand sich noch immer an der gliechen Stelle. Es lachte uns an, doch daran hatten wir uns bereits gewöhnt. Respektvoll gingen wir daran vorbei und drangen immer tiefer in den unterirdischen Gang ein. Mit seiner Taschenlampe  strahlte Luis abwechselnd die linke und dann die rechte Felswand an. Von Zeit zu Zeit malte er ein großes L auf den Stein, ganz so, wie er es sich bereits vorher angewöhnt hatte. Und plötzlich erschienen sie wieder: Große Petroglyphen und Symbole. Dazu tauchte manchmal das Gesicht eines Inkakriegers auf. Es war ebenfalls in Stein gemeißelt. Ich spürte bald, wie mich die Erregung einer neuen Entdeckung überfiel. Und dann vernahm ich ein äußerst unangenehmes,  klirrendes Geräusch. Metall schlug gegen Metall. Kaum hörbar und unheimlich. Eine Kette? Bewegte da jemand eine schwere Kette in der Hand oder gar einen Totschläger?
Mit einem einzigartigen Reflex rollte ich mich zur Seite, bis an den Rand der Felswand. Irgendetwas schlug schwer gegen meine Schulter. Der Aufschlag wurde allerdings durch meine wegrollende Bewegung gedämpft. Dann spürte ich einen Windzug. Ohne groß etwas sehen zu können, klammerte ich mich mit der linken Hand an die Tunnelwand um Halt zu finden, aber da war nichts wo ich mich hätte festhalten können. Mein Arm griff ins Leere. Ich befand mich direkt an einer Kante, lag ausgestreckt auf dem Bauch und hing mehrere Meter über einem steinernen Vorsprung. Meine Freunde waren etwas zurück geblieben. Sie sahen, wie meine Finger fieberhaft über die senkrechte Fläche tasteten und eine raue Erhebung fanden auf der ich mich abstützen konnte. Die eiserne Kette, an deren Ende eine große schwarze Kugel mit scheußlichen Spitzen hing, vergrub sich mit Wucht in meinen Rippen, schleuderte mich auf den Bauch und drängte mich über die Kante auf eine steinerne Terrasse, die darunter lag. Einen Augenblick lang blieb ich liegen. Hier unten war es stockdunkel. Im gleichen Moment vernahm ich wieder dieses kettenähnliche Geräusch und ein Schwirren in der Luft. Dann folgte ein bleierner Einschlag, als nur wenige Zentimeter vor meinen Augen etwas auf den Stein krachte. Winzige Steinsplitter prasselten mir entgegen. Ich sammelte meine Kräfte und sprang mit einem erschreckten Keuchen auf. Immer noch konnte ich nichts sehen und alles was ich hörte, war das Pochen der eigenen Adern in meinem Kopf. Mir war übel und ich fühlte mich wackelig auf den Beinen. Ich leckte mir über die Oberlippe. Da war Blut. Meine Kehle war ausgetrocknet.
„Roger …“ Es waren die besorgten Rufe von Luis und Freddy, die aus einiger Entfernung zu mir hinunter schallten. Ich registrierte, dass sie bereits zum zweiten Mal nach mir riefen.   „Was ist da unten los? Ist mit dir alles in Ordnung?“
Ich hielt mich keuchend fest. Mir war übel. Dort, wo ich hinabgestürzt war, bemerkte ich etwas Dunkles oberhalb des Felsens: Drei in Stein gearbeitete Jaguarköpfe. Die Götter von Chavin, kam es mir in den Sinn. Darunter lag nun eine abgerissene, verrostete Kette mit großen Gliedern und mit eben diesem scheußlichen Morgenstern am Ende.
„Ja“, rief ich hinauf zu meinen Begleitern. „Ich bin Okay. Könnt ihr mir eine Lampe `runter werfen?“
Zum Glück hatten wir etliche Beleuchtungsmittel mitgenommen. „Warte einem Moment, ich werde zu dir hinabsteigen“, rief mir Luis zu.
„Ist gut, aber bitte sei vorsichtig“, versuchte ich ihn zu warnen. Dann war er bei mir.
„Roger … mein Gott, was ist geschehen …?
„Ist schon gut, Luis. Mit mir ist alles in Ordnung. Das Ding da hat mir nur eine Scheißangst eingejagt, das ist alles.“ Besorgt musterte Luis mein Gesicht.
„Sieht schlimm aus. Meinst du es geht wieder?“
Vorsichtig nickte ich mit dem Kopf. Scheiße, wie weh tat das denn? Ich versuchte allerdings mir nichts anmerken zu lassen.
„Abgesehen von der Stelle, wo mir das Ding in die Rippen gefahren ist und ein paar Schrammen hier und da, doch ja, ich glaube, ich habe noch einmal Glück gehabt.“
„Da muss eine Art Falltürmechanismus gewesen sein“, meinte Luis, als er sich umschaute. „Plötzlich warst du verschwunden. Dazu diese Kette mit dem Morgenstern. Wir hätten die Warnungen der Inkas besser doch ernst nehmen sollen!“ Ich grinste verlegen, aber es kam mir selbst nicht besonders überzeugend vor.
„Setz dich“, sagte Luis zu mir „Und trink erst mal `nen Schluck Wasser!“ Während er sich neben mich setzte, hielt er mich noch immer am Arm fest.
„Also erzähl schon. Was ist denn genau passiert?“
Und ich erzählte es ihm so gut ich konnte.
„Bist du sicher, dass du nicht weiter verletzt bist? fragte er nach einer Weile und seine Stimme klang einigermaßen besorgt“
„Ich denke nicht. Anscheinend habe ich nur ein paar Schrammen und blaue Flecke abbekommen. Nur die Rippe macht mir Ärger. Hoffentlich ist da nichts gebrochen.“
„Du musst so schnell wie möglich zum Arzt und dich behandeln lassen“, meinte er. „Ist wohl nix mehr mit Schatzsuche!“
Der ist ja fast noch schlimmer als Liliana. Nur gut, dass die nicht mehr hier ist. Sie wäre glatt in Ohnmacht gefallen.
„Und du hast wirklich nichts erkennen können?“ Luis leuchtete die Umgebung ab.
„Leider nein. Ich habe echt nichts sehen können.“ Vorsichtig versuchte ich aufzustehen und stellte fest, dass ich mich wieder besser fühlte. Auch die Übelkeit verschwand allmählich. „Ich glaube, es geht wieder. Komm, ich muss dir unbedingt etwas zeigen.“ Daraufhin strahlte ich mit der Taschenlampe die drei steinernen Jaguarköpfe an. Da waren auch wieder die Petroglyphen und Schriftzeichen der Inkas. Das schwefelgelbe Licht leuchtete die Umgebung weiter ab. Wieder waren wir in einen Stollen geraten und der Schacht glich ein wenig einem ausgedienten Bergwerk. Die Bewohner von Cajamarca hatten allerdings Recht. Dieses riesige Labyrinth zu erforschen war ein unmögliches Unterfangen. Zumindest da uns detaillierte Kenntnisse fehlten.
„Hierher“, brüllte Luis ülötzlich aus einiger Entfernung zu mir herüber. Er war etwas zurückgeblieben und leuchtete den Boden ab.
„Ich wollte nachsehen … und als ich hier angekommen bin, da habe ich festgestellt …“
Er musste mir gar nicht erst erklären, was er festgestellt hatte. Ich war zu ihm gehumpelt und stand nun wie angewurzelt da. Er hielt den Strahl der Taschenlampe direkt auf eine klaffende, quadratische Öffnung im Steinboden. Darunter befanden sich ein Treppenabsatz, kleine Stufen voller Geröll und wild durcheinander gewinkelte, behauene Steinblöcke. Wir baten Freddy, der noch immer im obersten Gang ungeduldig auf uns wartete, zu uns hinunter und mit vereinten Kräften legten wir in kürzester Zeit die Treppen frei, und zwar so, dass diese zumindest begehbar waren. Dann gingen wir los. Plötzlich standen wir vor einer schweren, dreieckigen Steintüre, an deren Flanken mannshohe Lanzen aufgestellt waren. Auf ihren Spitzen thronten Totenköpfe, die uns unverschämt angrinsten. Ich schauderte. Wieder der lachende Tod. Was für eine makabere Überraschung. Die Steintüre war mit einem wunderbaren Relief versehen. Die Ähnlichkeit mit der Chavinkultur war allgegenwärtig.
Was mochte hinter dieser Tür verborgen sein? Und vor allem, gab es weitere Fallen oder antike Selbstschussanlagen? Aus den Felswänden auf der Seite der Steintüre hingen Holzbalken heraus, die wiederum mit der Deckenplatte verbunden waren. Wir mussten äußerst vorsichtig sein, um nicht einen eventuell vorhandenen Schutzmechanismus auszulösen.
Und dann ging doch wieder etwas schief. Beim Abtasten der Dreiecks-Tür rutschte Freddy aus und wollte sich an einem der Holzbalken festhalten. Der verschob sich jedoch leicht nach oben, sprang wie ein Korken heraus und fiel dabei krachend auf den Boden. Die schwere Deckenplatte zitterte und schwankte, um dann schließlich in einem qualvollen Zeitlupentempo in sich hineinzufallen. Das dabei entstandene grauenhafte, Schabgeräusch ging mir durch Mark und Bein. Ein Stützbalken wurde vom Sockel gestoßen und hing einen Augenblick schief in der Gegend. Er wurde nur noch von einem Querbalken darüber festgehalten. Dann ächzte auch dieser Querbalken, gab nach und fiel hinunter, und mit ihm die Hälfte der leicht gewölbten Deckenkonstruktion. Eine Wolke säuerlichen, stickigen Staubes folgte sofort hinterher.
Fast gleichzeitig schrien wir auf, stellten jedoch fest, dass niemand von den großen, keilförmigen Steinquadern getroffen worden war. Bei der Menge an auf uns niederprasselndem Geröll eine Tatsache, die schon an ein Wunder grenzte. Zudem hatte ich weitere, leichte Blessuren davongetragen. Luis blickte auf seine zertrümmerte Armbanduhr und Freddy spuckte das Ende eines abgebrochenen Zahnes auf den Boden. Ich vergewisserte mich, dass soweit alles in Ordnung war und Luis stieß Luft aus. Ein erleichtertes Aufatmen. Die dreieckige Steintür war durch die Erschütterungen praktisch aus ihrer Verankerung gebrochen und lag nun in mehreren Teilen vor uns auf dem Steinboden. Ein großes Loch klaffte dort, wo wir einmal gestanden hatten. Das erste was wir vernehmen konnten, war ein lautes Rauschen. Der Wasserfall! riefen Luis und Freddy beinahe gleichzeitig. Ich wusste, wovon sie sprachen. Wir waren bis ans andere Ende der von den beiden Skeletten bewachten Höhle vorgedrungen. Das war jene Stelle, die Luis und Freddy vorher entdeckt hatten.
Wieder benutzten wir unsere Taschenlampen und konnten ihn jetzt mit eigenen Augen sehen: Ein riesiger, unterirdischer Wasserfall, umrundet von einem kleinen See. In der Mitte des Sees befand sich so etwas wie eine steinerne Insel und darauf stand ein großer rechteckiger Altar. Luis spuckte Staub. Der raue Stein hatte zwei rote, tiefe Striemen auf seinem Unterarm hinterlassen. Er benötigte dringend medizinische Hilfe. Das soeben Erblickte faszinierte ihn jedoch so sehr, dass er beschloss, trotz der Schmerzen noch eine Weile auszuharren. Er musste nur aufhören, sich mit dem Handrücken den Staub vom Mund zu wischen. Mir erging es nicht anders. Dann jedoch schwächelte er und sagte entschlossen: „Ich finde, wir sollten Schluss machen für heute und alles wieder richtig abstützen, bevor wir zurückgehen. Wenn wir noch länger bleiben wird unter Umständen noch jemand ernsthaft verletzt.“
Damit hatte er nicht ganz unrecht, denn falls er an sich heruntersah, würde er die Misere erkennen. Seine Kleidung war komplett zerrissen und auch Freddys und meine sahen nicht viel besser aus. Während ich noch etwas sagen wollte, hörten wir über uns das scharfe, platzende Krachen eines Balkens und sofort regnete es wieder Staub und kleine Steinchen von der Decke auf uns nieder.
„Nichts wie raus hier“, brüllte ich. „Das Ding kann jeden Moment einstürzen.“ Ich wollte einfach nur, dass alle so schnell wie möglich aus dem Tunnel hinauskamen. Und dann kam es richtig dicke! Unter lautem Getöse krachte die gottverdammte Höhlenkonstruktion ein und fiel wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Der geheime Zugang der Inkas, den wir noch bis vor kurzem von der ehemaligen Tempelanlage Kuntur Wasi begehen konnten, existierte nicht mehr. Von dieser Seite her war der Zugang nun auf ewige Zeit verschüttet.
„Hoffentlich ist der steinerne Altar bei dem Einsturz nicht zerstört worden“, meinte Freddy seufzend. „Es war ein verdammt großartiges Kunstwerk!“ Er schüttelte den Kopf, welcher ihm bei der bloßen Erinnerung daran sofort wieder schmerzte.
„Und erst das wunderschöne Relief“, rief ich entsetzt. Glücklicherweise waren wir noch einmal mit dem Schrecken davongekommen. Wir mussten einen wahren Schutzengel gehabt haben, der es mit dem Inkafluch durchaus aufnehmen konnte.