Eifelpakt

Eifelpakt

 Die Antiquitätenhändlerin Daniela Neumann ist als Spezialistin für ethnische Kunst weit über die Eifel hinaus bekannt, doch wenn sie allein ist, fühlt sie sich verfolgt und hat den Eindruck, ständig auf der Hut sein zu müssen. Als in ihrem unmittelbaren Umfeld mysteriöse Morde geschehen, ist sie davon überzeugt, dass es jemand in erster Linie auf sie abgesehen hat. In ihrer Verzweiflung sucht sie Zuflucht bei dem Reisejournalisten Roger Peters, ohne zu ahnen, dass der Mörder in Wahrheit wesentlich näher bei ihr ist, als sie es sich vorstellen kann. Doch eindeutige Spuren fehlen. Der etwas knochig wirkende Kommissar Laubach aus Daun versucht in seiner eigentümlichen Art und Weise herauszufinden, wer hinter den Verbrechen steht und schlägt prompt den falschen Weg ein.


Der Krimi EIFELPAKT spielt in den Eifelstädtchen: Monreal, Gerolstein, Rom und Daun und widmet sich dem kontroversen Thema: Persönlichkeitsspaltung.

ISBN: ISBN:978-3-86282-328-4

erschienen im ACABUS Verlag Hamburg.

www.eifelzeitung.de/.../buchvorstellung-eifel-pakt-von-peter-splitt-87093/


www.blick-aktuell.de/Nachrichten/Peter-Splitt-Eifel-Pakt-108561.html

 

 
Leseprobe:

Nun stand sie mit dem Mini auf ihrem überdachten Parkplatz und überlegte, was sie mit dem angebrochenen Tag anfangen sollte. Auf der anderen Seite des Parkplatzes stand noch ein anderer Wagen. Ritas Golf.
Nanu, dachte sie. Der frühe Vogel fängt den Wurm. Vielleicht hatte ihre Freundin bereits einen Termin mit einem Kunden. Immerhin hat sie ja auf der letzten Auktion ganz schön zugeschlagen.
Den Schlüsselbund in der Hand, ging sie hinüber zu Ritas Laden und klopfte an die Tür. Keine Reaktion. Sie drückte gegen die Tür, aber die schien verschlossen zu sein. Also blickte sie durch das Schaufenster. Auch nichts. Drinnen brannte ein schwaches Licht. Vielleicht ist sie einen Kaffee trinken gegangen?
Daniela beschloss, dass sie erst einmal die Liste für den Kommissar erstellen wollte und dann später gegen Mittag noch einmal bei ihrer Freundin vorbeischauen würde. Sie ging hinüber zu ihrem eigenen Laden, schloss ihn auf und sauste in die hinteren Räume, um die Kaffeemaschine anzustellen. Das war so etwas wie ein morgendliches Ritual für sie. Danach lief sie wieder nach draußen, öffnete die Rollläden vor ihrem Schaufenster, kehrte in den Verkaufsraum zurück und schaltete ihren Laptop ein. Als der kleine Computer hochgefahren war, steckte sie einen USB-Stick hinein und wartete, bis sich die Dateien öffneten. Nacheinander überflog sie die Kundenkartei und machte sich hier und da Notizen. Wolfgangs Kunden sind mit einem großen W gekennzeichnet. Hm das könnte interessant sein, dachte Daniela. Hinter den Namen befanden sich Zusatzinformationen zu deren Vorlieben, sprich Sammelgebieten. Das wird Laubach mit Sicherheit interessieren.
Geschickt kopierte sie die Daten auf eine leere CD. Eine Maske war allerdings nirgendwo aufgeführt. Aber wie sollte sie auch. Solche Funde kamen nur äußerst selten vor. Auch in den restlichen Dateien fand sie nichts wirklich Brauchbares. Vielleicht war der Kunde, der Wolfgang die Maske abkaufen wollte ja selbst ein Händler?, rätselte sie. Vielleicht einer seiner seltsamen Kontakte aus Übersee?
Sie hob ihren Kaffeebecher und stellte fest, dass er bereits leer war. Kaum noch erinnerte sie sich daran, dass sie sich die schwarze Brühe eingeschenkt hatte. Ein Blick auf ihre Armbanduhr sagte ihr, dass es schon beinahe elf war.
Zeit für eine Pause, dachte sie, stand auf und ging aus dem Laden. Draußen war es angenehm warm, aber der Sommer neigte sich langsam seinem Ende entgegen. An Ritas Tür hing immer noch das Schild Geschlossen . Sie klopfte an das Schaufenster und als sich immer noch nichts rührte, drückte sie abermals gegen die Tür. Nichts!
Genervt kehrte Daniela zurück in ihren eigenen Laden und wählte Ritas Nummer auf dem Handy. Es meldete sich nur die Mailbox. Da fiel ihr ein, dass sie ja einen Schlüssel für Ritas Laden besaß. Natürlich! Sie hatten gegenseitig ihre Schlüssel getauscht, für den Fall, dass einmal eine Notlage eintrat. Daniela griff in die oberste Schublade und schnappte sich den Ersatzschlüssel, den sie für ihre Freundin aufbewahrte. Sie ging wieder zu Ritas Laden und schloss auf. Rita? Rita, Schätzchen, bist du da?
Sie stand noch im Türrahmen, als sie bemerkte, dass etwas nicht stimmte. Der Geruch war anders als sonst und dazu kam diese ungewöhnliche Stille. Sie wirkte irgendwie unnatürlich. Vorsichtig ging sie nach hinten. Die Tür zu Ritas Büro war nur angelehnt. Das Erste, was sie sah, war etwas Dunkles, das auf dem Boden lag. Ritaaa?
Mit voller Wucht stieß sie die Tür auf und fiel fast auf das, was von ihrer Freundin noch übrig war. Rita nein! Großer Gott bitte nicht Entsetzt schlug sie die Hände vors Gesicht und wich zurück. Das, was sie soeben gesehen hatte, konnte einfach nicht wahr sein. Würgend torkelte sie auf die Verkaufstheke zu und suchte nach dem Telefon. Es stand dort, wo es immer stand, aber sie schaffte es nicht auf Anhieb, die Nummer der Notzentrale zu wählen. Ihre Hände zitterten, aber...


„Bin gleich wieder da“, sagte Daniela. „Es geht ganz schnell.“
„Soll ich nicht lieber mitkommen?“
„Ach was! Jetzt übertreibst du’s aber wirklich, Roger. Leg schon mal ’ne Kassette ein. Ich bin wirklich gleich zurück.“
Wow, dachte Roger Peters. Sie ist die erste Frau, die es begreift. In einen echten Klassiker gehört natürlich ein Kassettenradio. Er tat wie ihm geheißen und beobachtete wie Daniela auf ihren Briefkasten zuging und ihm einen dicken Stapel Post entnahm. Nicht dass etwas Besonderes dabei gewesen wäre. Nur Rechnungen, Werbung und eine Broschüre. Sie schloss auf, trat in ihr Haus und hielte inne.
Hat sich dort hinten etwas bewegt? Ach was. Ich sehe schon Gespenster. Trotzdem empfand sie ihr eigenes Haus als unheimlich. Schnell die Sachen holen, und dann nichts wie weg von hier. Sie lief nach oben in ihr Schlafzimmer, griff nach der Reisetasche, die wie immer auf ihrem Kleiderschrank lag und öffnete die Schubladen. Zwischendurch achtete sie auf verdächtige Geräusche. Nein, da war nichts. In Windeseile packte sie ein paar Kleidungsstücke zusammen. Schließlich suchte sie ihren kleinen Schminkkoffer. Er befand sich wie gewöhnlich unter ihrem Bett. Daneben lag eine leere Bierflasche. Sie spürte, wie sich ihre Nackenhaare hochstellten. „Ob Roger die einfach dorthin …?“
Weiter kam sie nicht. Ohne Vorwarnung legte sich ein Arm um ihren Hals und drückte ihr die Luft ab. Als zusätzlich eine Hand auf ihren Mund gepresst wurde, spürte Daniela Panik in sich aufsteigen. Für einen Moment schien sie ihr Bewusstsein verlassen zu wollen. Ihre Beine zitterten und vermochten sie kaum noch zu tragen.
Etwas in ihr explodierte, dann fing sie sich wieder. Reaktionsschnell biss sie fest in einen der Finger. Jemand fluchte laut, ließ aber für einen Moment von ihr ab. Mutig setzte sie nach und stieß dem Angreifer mit voller Wucht ihren Ellenbogen in den Magen. Gleichzeitig hob sie ihren Fuß hoch und trat zu. Wieder folgte ein Fluchen, doch nun stieß sie jemand von hinten an. Sie taumelte nach vorn auf die Treppe zu, stieß mit dem Kopf gegen den Knauf, sah Sternchen und blieb liegen. In weiter Entfernung hörte sie, wie sie rief: „Du Schwein! Du verdammtes Schwein.“
Sie kam wieder zu sich, als sie irgendwo im Hintergrund eine Tür zuschlagen hörte. Auf einmal war es wieder da, jenes seltsame Gefühl der Hilfslosigkeit. Sie raffte sich auf, rannte die Treppe hinunter und schaffte es bis zur Haustür. Dabei versuchte sie sich noch an dem Briefkasten festzuhalten, bevor sie zusammenbrach.

Das Polizeifahrzeug mit Kurt Laubach am Steuer raste die kurvenreiche Landstraße entlang, die zuerst nach Birresborn und dann in Verlängerung bis nach Rom führte. An der abknickenden Vorfahrt, fuhr vor ihm ein Milchtransporter auf die Hauptstraße.
„Verdammter Mist! Zu viel los“, fluchte der Kommissar vor sich hin. „Warum zum Teufel passiert auch immer alles auf einmal?“
 Er drückte etwas härter auf das Gaspedal, überholte den Transporter und fegte durch die nächste Kurve. Mit seinem alten Mercedes hätte er das nicht mehr machen können. Der Diesel pfiff so ziemlich aus dem letzten Loch.
 Gott sei Dank, gleich bin ich da. Kaum hatte er diese Worte in seinen Gedanken ausgesprochen, da fing der Motor an zu stottern.
 Willst du wohl … Er trat noch fester aufs Gas. Der Wagen ruckte und blieb stehen. Er hatte den Motor abgewürgt.
„Muss das denn jetzt sein …?“
Wütend schlug er gegen das Lenkrad. Ein Blick auf die Armaturen zeigte die Nadel der Tankanzeige hinter der Reservemarkierung.
So eine Scheiße …! Haben diese Trottel von der Bereitschaft doch vergessen nachzutanken. Wütend stieg Laubach aus dem Fahrzeug und drückte sich gegen die Fahrertür. Was soll’s. Sigismund kann mich nachher zurückfahren. Er schob den Wagen über den Seitenstreifen und ließ ihn stehen. Dann ging er los. Nach nicht einmal fünfzehn Minuten erschien Danielas Haus in seinem Blickfeld. Schwarzenegger war bereits vor Ort. Er wunderte sich nicht schlecht, als er den Kommissar per pedes die kleine Anhöhe hinunterkommen sah. Sigismund selbst saß in einem Streifenwagen und hatte alles im Griff. Winzer Schäfer hatte gestanden, dass er seinen eigenen Wein ein wenig gestreckt hatte, nachdem er, Sigismund, ihm ein wenig zugesetzt hatte. Natürlich nur im Rahmen des erlaubten. Dass er ihm angedroht hatte, er würde ihn so lange mit seinem Gebräu vollschütten, bis er die Panscherei gestand, wollte er lieber nicht publik machen. Sein Vorgesetzter Laubach zeigte leider für manche seiner Vorgehensweisen nur sehr wenig Verständnis. Danach hatte er sich auf dem Grundstück der Neumann umgesehen, aber keine Spuren gefunden.
„Nanu, Chef. Sie kommen zu Fuß?“ Er blinzelte über den Rand seiner Sonnenbrille.
„Mir ist die Karre verreckt“, begrüßte Laubach seinen Mitarbeiter, auch wenn er Sigismund nichts erklären musste. „Steht oben an der Landstraße, einsam und verlassen. Und was gibt es hier?“
„Absolut nichts, Chef. Keine Spuren, rein gar nichts. Und trotzdem muss der Typ  dort hinten im Wald verschwunden sein.“ Sigismund deutete in die entsprechende Richtung.
„Das wäre möglich “, pflichte Laubach ihm bei. „Die Neumann sagte, sie hätte die hintere Tür zuschlagen hören.“
„Das passt, Chef.“ Da hinten hängt eines der Seitenfenster etwas schief in seiner Verankerung. Sieht ganz so aus, als hätte sich jemand daran zu schaffen gemacht.“
„Also gibt es doch eine Spur, Rainer?“
„Nichts konkretes, Chef. Das Fenster kann genauso gut auf andere Weise aufgegangen sein.“
„Könnte, hätte, würde …“, Laubach wurde langsam ungeduldig.
„Aber gibt es denn nichts Greifbares von dem Typen?“
„Nichts, Chef. Der scheint sich in Luft aufgelöst zu haben.“
Laubach zuckte mit den Achseln. „Hm … seit wann bist du denn hier, Rainer?“
Sigismund blickte auf seine Uhr. Es war ein vergoldetes Rolex-Imitat.
„Vielleicht seit zwanzig Minuten, Chef.“
„Also gut. Ich schicke in den nächsten Tagen die Spusi vorbei. Vielleicht finden die ja noch etwas. Die können sich dann auch gleich einmal drinnen im Haus umsehen, vorausgesetzt, die Neumann ist damit einverstanden. Irgendetwas muss der Kerl doch hinterlassen haben. Er zückte seinen Notizblock und machte sich einen entsprechenden Vermerk. Als er damit fertig war, wandte er sich wieder an seinen Mitarbeiter.
„Und du erinnerst mich bitte daran, dass ich die Neumann um ihren Haustürschlüssel bitte. Schließlich wollen wir ja nicht mit Gewalt in ihr Haus eindringen. Den Schlüssel kann sie meinetwegen unter die Fußmatte legen. Dort werden ihn die Kollegen von der Spurensicherung schon finden. So, und jetzt bring mich bitte zu meinem Wagen. Ach, ehe ich es vergesse. Vorher muss ich noch zu einer Tankstelle. Am Ortsausgang von Birresborn habe ich eine gesehen …“
Sie stiegen in den Streifenwagen und fuhren los.


Rezension:
Ich habe gerade diesen Krimi von Peter Splitt gelesen und fand die Geschichte einfach super.
Ganz besonders hat mir gefallen, das hier aus verschiedenen Perspektiven erzählt wurde. So kann man zum einen der Hauptprotagonistin Daniela Neumann folgen und zum anderen mal dem schrulligen Kommissar Laubach und seinem Schulfreund, dem Reisejournalisten Roger Peters. Verschiedene Ereignisse lenken gekonnt von dem Hauptgeschehen ab, um sich dann am Ende wieder zusammenzufügen. Für einen noch relativ unbekannten Autor ein sehr gelungenes Werk, deshalb von mir die vollen 5 Sterne. Weiter so!!